Dienstag, 25. August 2015

Die goldene Gans - Gans Gans anders


Es war einmal vor langer, langer Zeit, in einem weit entfernten Land. Das Land war so weit weg, dass wenn ihr einen ganzen Tag lang mit euren Eltern im Auto fahren würdet, immer noch nicht da wärt - so weit weg war das. Dort lebte ein Mann, der hatte eine Rasselbande von drei Jungs zu Hause. Der jüngste von ihnen wurde von allen immer nur Dummling genannt, dabei hieß er eigentlich Jack – ganz schön gemein, oder? Aber noch viel gemeiner war, dass seine Brüder und sogar die Eltern ihn immer hänselten und immer so taten als wäre er dumm, dabei war er sogar ziemlich schlau. Könnt ihr euch vorstellen, wie er sich gefühlt hat, wenn die anderen so gemein zu ihm waren? - Ja, da war er schon manchmal traurig. Aber meistens, meistens hatte er gute Laune.

Eines Tages sagte der Vater zu Jacks ältestem Bruder Martin: „Martin hier hast du eine Axt, bitte geh in den Wald, hau einen dicken Baum um und mach uns schönes Feuerholz. Unsere Vorräte gehen uns bald aus und du weißt ja, wie schnell die Mama kalte Füße bekommt, wenn der Kamin nicht brennt. – Apropos Mama, hier hast du noch eine Limo und einen Donut…“ – nein halt, das gab‘s damals ja noch gar nicht, also nochmal – „… hier hast du einen Eierkuchen und etwas Wein, das soll ich dir von der Mama mitgeben. Holz hacken macht hungrig und durstig, sagt sie.“
Und da hatte die Mama Recht – Holzhacken macht wirklich hungrig und durstig – das kann ich euch sagen.

Fröhlich vor sich hin pfeifend schlenderte Martin in den Wald um einen Baum zu fällen und Feuerholz zu besorgen, bei dem Gedanken an den leckeren Eierkuchen lief ihm schon das Wasser im Mund zusammen. Plötzlich stand, wie aus dem Boden gestampft ein kleines Männchen vor ihm, kaum einen Meter groß und sagte: „Guten Morgen Martin, gehst du Feuerholz besorgen?“  Etwas verdutzt stammelte Martin „öööö Ja, damit die Mama keine kalten Füße bekommt“. Das Männchen nickte verständnisvoll, es hatte auch eine Mama, die schnell kalte Füße bekam.  „Du hast nicht zufällig was leckeres zu Essen dabei, was du mit mir teilen könntest, ich habe ja sooo einen Hunger?“ fragte es. Aber Martin dachte gar nicht daran auch nur ein winziges Häppchen von dem Eierkuchen abzugeben, dann hätte er ja weniger bekommen. Dabei wäre wirklich genug Eierkuchen da gewesen und das Männchen sah tatsächlich ganz schön hungrig aus. Martin sagte nur knapp: „Nö dir geb ich nichts ab, ich hab mich schon so drauf gefreut alles allein zu essen“. Das Männchen schaute so traurig, dass man fast hätte weinen müssen, wenn man es ansah und dann – wusch – war es verschwunden, als hätte es sich in Luft aufgelöst. Martin ließ sich davon nicht irritieren sondern machte sich daran einen Baum für das Feuerholz umzuhauen. Aber kaum, dass er mit der Axt ausholte setzte sich eine gaaanz dicke Spinne auf seine Nase. Er erschrak so fürchterlich, dass er hilferufend nach Hause rannte und irgendwas von einem achtbeinigen Riesendrachen erzählte, der ihn fressen wollte, dabei war es doch nur eine dicke Spinne gewesen, die hatte übrigens das kleine Männchen geschickt.
Na ein bisschen verstehen kann ich Martin schon, wer mag es schon wenn sich eine ganz dicke Spinne auf seine Nase setzt…Mögt ihr das?

Auf jeden Fall hatte die Mama jetzt richtig kalte Füße bekommen und das Feuerholz war inzwischen komplett verbraucht. Es half also nichts und der Vater sagte zu Jacks anderem Bruder Willi: „Willi, geh du in den Wald hau einen Baum um und mach Feuerholz daraus“. „Aber der achtbeinige Riesendrache Vater, was wenn der noch im Wald ist?“ Aber der Vater kannte kein Pardon, wenn die Mama kalte Füße hatte, dann hätten auch 10 achtbeinige Riesendrachen im Wald hausen können, es musste Feuerholz her. So ging dann auch Willi in den Wald. Etwas mulmig war ihm zwar schon aber er freute sich auch auf den Eierkuchen und den Wein, den ihm die Mama mitgegeben hatte.
Genauso plötzlich, wie es vor seinem Bruder Martin gestanden hatte, stand das kleine Männchen jetzt auch vor Willi. Den Duft des Eierkuchens durch die Nase ziehend, fragte es Willi: „Guten Tag Willi, sag mal, rieche ich da etwa Eierkuchen und sehe ich da eine Flasche Wein? Ob du wohl einem armen, hungrigen und durstigen Männchen etwas davon abgeben könntest?“ Dabei setzte das Männchen den traurigsten Blick auf, den ihr euch nur vorstellen könnt. - Und ich hätte wirklich gedacht Willi wird ihm gleich etwas abgeben. Aber nein auch Willi wollte nichts abgeben, er wollte alles ganz allein für sich, wie gemein.  Was dann passierte könnt ihr euch sicherlich schon denken. Genau, auch Willi lernte die dicke Spinne kennen und reagierte genauso wie sein Bruder Martin und dachte allen Ernstes, er hätte einen achtbeinigen Riesendrachen gesehen.

Die Mama hatte aber immer noch kalte Füße und so wurde jetzt auch Jack in den Wald geschickt um Feuerholz zu besorgen. Allerdings bekam er nur Aschekuchen und saures Bier mit auf den Weg. Das ist so als hättet Ihr zum Mittag nur altes, aufgeweichtes Knäckebrot und lauwarmes Leitungswasser, nicht grade ein Festessen oder? Und natürlich tauchte auch jetzt wieder das kleine Männchen auf und fragte Jack: „Hallo Jack, bist du unterwegs um Feuerholz zu schlagen?“ Jack nickte lächelnd und war froh dem Männchen und nicht einem achtbeinigen Drachen zu begegnen. „Du hast nicht zufällig eine Kleinigkeit zu Essen und zum Trinken für mich“ frage das Männchen weiter „Ich bin am verhungern“. Das war natürlich übertrieben aber großen Hunger hatte das Männchen schon, soviel war sicher, denn in diesem Moment knurrte wie zur Bestätigung sein Magen so laut, das man hätte meinen können ein Bär würde brummen. Jack tat das Männchen leid, darum sagte er auch gleich: „Ich hab nichts Besonderes nur ein bisschen Aschebrot und saures Bier, aber davon will ich dir gern abgeben“ Das Männchen bedankte sich und die beiden teilten die bescheidene Mahlzeit. Aber in netter Gesellschaft schmeckt die einfachste Mahlzeit ganz toll.
Nachdem sie aufgegessen hatten, zeigte das Männchen Jack einen Baum und sagte: „Wenn du diesem Baum umhaust, wirst du zwischen den Wurzeln ein kleines Dankeschön finden, dafür dass du deine Mahlzeit mit mir geteilt hast.“ Und – wusch - war das Männchen verschwunden – mal wieder. Naja, das plötzliche Verschwinden war wohl so eine schlechte Angewohnheit des Männchens, auch kleine Männchen sind eben nicht ohne Fehler. Jack konnte sich nicht mal mehr verabschieden. Aber er machte sich an die Arbeit und schlug den Baum um, seltsamerweise fiel der so um, dass gleich die Wurzeln mit aus Boden gerissen wurden. Zwischen den Wurzeln glänzte etwas golden. Als Jack genauer hinsah, war er doch etwas überrascht. Dieses goldene Etwas war eine Gans, eine goldene Gans – unglaublich. Aber Jack war nicht lange überrascht, das war nicht seine Art. Weil es schon langsam dunkel wurde, entschied er in einem Wirtshaus in der Nähe des Waldes zu übernachten.
Als Jack das Wirtshaus betrat, waren der Wirt und seine beiden Töchter vom Gold der Gans fasziniert, sie hatten förmlich Dollarzeichen in den Augen oder damals wohl eher Talerzeichen. Auf jeden Fall waren sie neidisch auf Jack, sie wollten auch was von dem Gold der Gans. Darum warteten sie bis Jack und seine Gans schliefen. Als sie hörten wie die Gans schnarchte waren sie sich sicher und schlichen sich ganz, ganz leise an Jack und die goldene Gans heran. „Nur ein paar kleine Federn ausreißen“ dachten sie sich, dann wären sie reich. Aber in dem Moment, als sie die Gans berührten, klebten sie an ihr fest als hätte jemand die Gans mit Alleskleber bestrichen. Sie zogen und zerrten und riefen – aber sie kamen nicht von der Gans los. Von dem Tumult wurde Jack natürlich wach und er bog sich vor Lachen als er sah, dass der Wirt und seine zwei Töchter an der Gans festklebten. Er sagte nur: „Das kommt davon, wenn man so gierig ist“, schnappte sich seine goldene Gans und ging hinaus auf die Straße. Die Leute, die sie sahen standen erst mit offenen Mündern da, dann lachten sie herzhaft. Sie hatten noch nie eine Goldene Gans gesehen und Menschen die an ihr festklebten erst recht nicht. Der Wirt rief seinem Freund dem Bäcker zu: „He Franz zieh mal an meinem Arm, vielleicht kannst du mich ja losbekommen“ Aber statt seinen Freund loszubekommen klebte der Bäcker plötzlich an seinem Freund dem Wirt fest und so erging es auch dem Lehrer, dem Schumacher, der Frau Bürgermeisterin und noch einigen anderen. Das war vielleicht eine lustige Parade von Leuten die hinter Jack mit seiner goldenen Gans herliefen.

Als sie auf dem Marktplatz ankamen, stand da der Herold des Königs. Das war so eine Art Nachrichtensprecher, der den Leuten in der Stadt immer die wichtigsten Neuigkeiten aus dem Schloss und vom Königshof erzählte. Das tat er immer sehr feierlich. Er verkündete gerade: „Höret, höret der König lässt mitteilen, wem es gelingt seiner durchlauchtigste Tochter, der Prinzessin Fiona, ein Lachen zu entlocken, demjenigen solle sie als Gemahlin angetraut werden“ oder mit anderen Worten, wer die Prinzessin zum Lachen bring, darf sie heiraten.
Als Jack das hörte, dachte er bei sich: „Na da geh ich da doch gleich mal vorbei, wenn die Prinzessin sieht, wie all die Leute an einer goldenen Gans kleben, dann muss sie einfach lachen. Und genau so war es auch, als Prinzessin Fiona sah, wie Jack und all die anderen anmarschiert kamen, sozusagen im Gänsemarsch, konnte sie gar nicht anders als so lange zu lachen, bis ihr sogar der Bauch weh tat. Dann rannte sie zu ihrem Vater, dem König und sagte: „Papa den will ich heiraten“. Der König erwiderte entsetzt „Kind, du kannst doch keinen einfachen Mann heiraten, der ist doch gar kein Prinz, nicht einmal Graf ist der“. „Papa du hast es versprochen“ entgegnete die Prinzessin.
Der König tuschelte kurz mit seinem ersten Minister und sagte dann laut, so dass auch Jack es hören konnte: „Gut junger Mann, du kannst meine Tochter heiraten, unter einer Bedingung, wenn du jemanden findest, der in einer einzigen Nacht einen Weinkeller leer trinkt“. Das ist ungefähr als würde jemand euer Kinderzimmer voller Limonadenflaschen stellen, bis unter die Zimmerdecke, so voll, dass ihr es nicht mal mehr betreten könntet und euch dann sagen: „Du musst alle Flaschen bis morgen austrinken.“
Jetzt denkt ihr vielleicht, das kann doch keiner schaffen. Aber Jack dachte sich: „Das kleine Männchen aus dem Wald kann mir bestimmt helfen“. Also erklärte sich Jack einverstanden und machte sich auf den Weg in den Wald. Prinzessin Fiona sah ihm noch lange verliebt lächelnd hinterher, die fand den Jack nämlich richtig klasse.
Im Wald angekommen stand, ganz plötzlich das kleine Männchen vor Jack, wie gerufen. Und Jack erzählte ihm von der Aufgabe, die ihm der König aufgegeben hatte. „Nichts leichter als das,“ sagte das Männchen, „ich habe schon seit Wochen nichts mehr getrunken, nimm mich mit und ich trinke den ganzen Keller leer“.
Als der König das kleine Männchen sah, musste er laut lachen. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass ein so kleines Männchen auch nur 3 große Becher Wein trinken könnte und erst recht keinen ganzen Keller voll Wein. Daher staunte der König nicht schlecht als er am nächsten Morgen zum Weinkeller kam und der ganze Wein ausgetrunken war. Das kleine Männchen war, wie ihr euch sicher schon denken könnt mal wieder verschwunden.
Das wollte der König nicht auf sich sitzen lassen und sagte zu Jack: „Also gut junger Mann, du darfst meine Tochter heiraten, unter einer zweiten Bedingung, wenn du jemand findest, der einen ganzen Berg Brot an nur einem Tag essen kann“. Das war natürlich ganz schön gemein vom König, denn eigentlich hatte Jack ja schon die erste Aufgabe erfüllt und von einer zweiten Aufgabe hatte der König vorher gar nichts gesagt. Aber weil Jack sehr gutmütig war sagte er: „Also gut“. Und machte sich auf das Männchen zu suchen. Er fand es wie vorher im Wald und klagte ihm sein Leid und fragte es ob es ihm helfen könnte. „Der ist aber echt gemein, dein künftiger Schwiegervater, na klar helfe ich dir. Ich liebe Brot und ich bin hungrig wie ein Rudel Wölfe“. Als der König Jack diesmal wieder mit dem kleinen Männchen ankommen sah, lachte er nicht mehr. Stattdessen wurde ihm ganz komisch, denn er ahnte schon was jetzt kommen würde.  Und tatsächlich wie er vermutet hatte, es war nicht mal eine Stunde vergangen und das Männchen hatten den ganzen Brotberg weggeputzt und fragt nach einem Nachtisch. Und weil Prinzessin Fiona gern mit anderen teilte, gab sie dem Männchen die Hälfte von ihrem Joghurt ab. Den aß das Männchen in Windeseile und – wusch – schon wieder war es verschwunden.
Der König traute seinen Augen nicht aber er wollte auf keinen Fall, dass seine Tochter einen einfachen Mann wie Jack heiratete also stellte er noch eine dritte und letzte Bedingung: „Bring mir ein Schiff, mit dem man auf dem Land und dem Wasser reisen kann“ sagte er. Jack erwiderte sehr zuversichtlich „Das werde ich tun, Herr König“ denn die Erfahrungen mit dem kleinen Männchen hatten ihm Mut gemacht.
Wieder machte sich Jack auf den Weg in den Wald zum kleinen Männchen und wieder sah Prinzessin Fiona ihm verliebt nach. Kaum im Wald angekommen traf Jack das Männchen und es fragte ihn: „Na was will der König diesmal? Soll ich vielleicht einen Spaghetti Topf so groß wie einen Gartenteich leer essen?“  „Nein, er will ein Schiff mit dem man übers Meer aber auch über Land reisen kann“. „Na das ist ja nur gar nicht schwer sagte das Männchen. Ich habe da zufällig ein Zeppelin“. Was ein Zeppelin ist, wollt ihr wissen? Ein Zeppelin ist ein Luftschiff, damit kann man über das Meer und auch über das Land reisen, denn man fliegt damit. Ihr könnt ja mal eure Eltern fragen, wie das genau funktioniert.
Jedenfalls flogen Jack und das Männchen damit direkt zum Schloss. Dem König blieb die Spucke weg und er konnte nicht anders als Jack und Fiona die Hochzeit zu erlauben.
Es gab ein großartiges Fest und auch das kleine Männchen war eingeladen, nur von Wein und Brot hatte es genug, es hielt sich lieber an den Kuchen, den es reichlich gab.
Und alle Gäste durften mit dem Zeppelin über das Königreich fliegen.
Und wenn sie nicht gestorben sind fliegen Sie noch heute über das Königreich und essen Kuchen.
Und die Moral hört ihr jetzt sowieso – mit andern teilen, das macht froh.