Donnerstag, 3. September 2015

Rumpelstilzen




Es war einmal ein Müller, der war sehr sehr arm, obwohl, so arm war er eigentlich gar nicht. Aber er wäre halt gern reicher gewesen also so richtig richtig reich. So gern hätte er in einem tollen Palast gewohnt, wäre in einer Kutsche mit goldenen Radkappen gefahren, hätte in einem Bett mit seidenem Laken geschlafen, so gern hätte er einmal eine Urlaubsreise in der Karibik gemacht…kurz und gut am liebsten wäre er gern Fürst oder Graf gewesen oder wenigsten ein Rockstar…nein halt, die hießen damals ja noch anders. Rockstars hießen damals noch Barden oder Minnesänger. Na jedenfalls, das wäre was für unseren Müller gewesen. Aber er war nun mal ein Müller.
Das fand er allerdings gar nicht so toll und darum überlegte er auch andauernd, was er tun könnte um reich zu werden. Eines Tages besuchte der junge König den Müller in seiner Mühle, denn er brauchte für ein großes Fest auf dem Schloß sehr viel Mehl, es waren nämlich viele Besucher eingeladen und seine Bäcker sollten eine ganze Wagenladung voll Streuselkuchen backen. Der König liebte Streuselkuchen und dafür braucht man halt sehr viel Mehl. Und weil der König sehr geizig war, ging er selbst das Mehl beim Müller kaufen. Er hoffte, wenn der Müller den König persönlich sah, würde er ihm das Mehl vielleicht billiger verkaufen.
Aber der Müller dachte gar nicht daran. Er dachte genau das Gegenteil: „Wenn schon der König persönlich kommt, dann kann ich mein Mehl endlich mal richtig teuer verkaufen, schließlich ist der König ja reich“. Und so ging das Gespräch hin und her und die beiden verhandelten stundenlang darüber, wieviel der König nun für das Mehl bezahlen sollte.
Auf einmal stand die Tochter des Müllers im Zimmer um zu schauen, wo ihr Vater wäre, denn sie hatte sich schon Sorgen gemacht, da sie ihn schon seit Stunden nicht gesehen hatte. Kaum, dass der König sie sah, wurde er rot bis über beide Ohren, denn die Müllerstochter gefiehl dem König sehr gut. Als sie das Zimmer wieder verlassen hatte sagte der König zum Müller: „Du hast aber eine hübsche Tochter“.
Der Müller dachte so bei sich: „Wenn dem König meine Tochter so gefällt, dann habe ich vielleicht auch was davon“ also sagte er zum König: „Das stimmt, sie ist wunderhübsch, aber nicht nur das, sie kann sozusagen Stroh zu Gold spinnen“ Damit wollte er eigentlich sagen, dass alles was seine Tochter anpackte gelang und ihre fleißige Arbeit ihm mehr Wert wäre als Gold.
Der König aber dachte, die Müllerstochter könnte wirklich Stroh zu Gold spinnen – als ob irgendjemand so was könnte. Der Müller sollte seine Tochter wieder hereinrufen, das tat er auch und der König sagte: „Meine Liebe, komm heute auf mein Schloß und spinn mir heute Nacht Stroh zu Gold, ich werde dir extra einen ganzen Raum mit Stroh füllen lassen. Ich bestehe darauf und ich werde dich großzügig belohnen.“
Dem Müller und seiner Tochter blieb vor Schreck der Mund offen stehen. Und weil man einem König schließlich nicht wiederspricht, nickten beide nur schweigend.
Als der König gegangen war, sagte die Müllerstochter, die übrigens Gertrude hieß … ja, sie hieß wirklich Gertrude - damals hießen Mädchen oft so…jedenfalls sagte Gertrude zu Ihrem Vater: „Aber Papa, wie soll ich das denn machen, du weißt doch, dass ich ganz schlimm Heuschnupfen habe“ „Oh, daran hatte ich gar nicht gedacht aber ich bin sicher du schaffst das“.
Gertrude war sich da aber nicht so sicher wie ihr Vater, ihr klopfte ganz schön das Herz, wenn sie daran dachte, dass sie all das Stroh zu Gold spinnen sollten. Aber feige war Gertrude auch nicht und darum ging sie am Abend zum König auf das Schloß „Da bin ich“ sagte sie. Der König freute sich sehr die hübsche Gertrude wiederzusehen. Er erklärte ihr, sie könnte gleich anfangen das Stroh zu Gold zu spinnen und führte sie in einen Raum, der bis unter die Decke mit Stoh gefüllt war. Es war gerade noch genug Platz für einen Hocker zum sitzen und ein Spinnrad und eine kleine Maus, die mit einem leisen Piepsen im Stroh verschwand. Als Gertrude den Raum betrat musste sie gleich heftig niesen. „Hast du dich etwa erkältet“, fragte der König besorgt. „Nein, das ist nur mein Heuschnupfen“ antwortete sie.
„Oh, das kenn ich“ sagte der König „ich habe eine ganz schlimme Hausstauballergie, darum lass ich das ganze Schloß dreimal am Tag gründlich fegen“
„Wirklich?“ fragte Gertrude und schaute dem König dabei tief in die Augen „Ich fege unsere Mühle auch dreimal täglich“ „Und ich habe mich schon gewundert, warum ich in eurer Mühle gar nicht niesen musste“ lachte der König. In diesem Moment merkten beide, wie ähnlich sie sich doch waren und dass sie einander wirklich gern mochten.
Der König wurde ein bißchen verlegen und sagte deswegen: „Ich muss jetzt leider weg noch ein bißchen…ähhh…regieren. Aber ich laß dir noch einen leckeren Kramselblütentee machen, der hilft bestimmt gegen deinen Heuschnupfen.“ Damit drehte er sich schnell um und ging im Fackelschein des Schlosses davon, denn er wollte nicht, dass Gertrude mitbekommt, dass er schon wieder ein bißchen rot wurde.
Kurz darauf brachte ein königlicher Diener in würdevoller Haltung den Kramselblütentee und verschloß dann die Tür, damit Gertrude in Ruhe das Stroh zu Gold spinnen konnte. Mit einem lauten „Klack“ fiel die schwere Tür ins Schloß und Gertrude merkte plötzlich, wie allein sie war. Ihr wurde klar, dass sie ja gar kein Stroh zu Gold spinnen konnte und dann fing sie auch wieder an zu Niesen. Schnell trank sie einen Schluck von dem Tee, der sehr lecker war und auch wirklich half. – Tja im Mittelalter kannten sich die Leute noch gut aus mit Tees und Kräutern.
Aber da war ja immernoch das Problem mit all dem Stroh, wie sollte sie es eigentlich zu Gold spinnen? „Och nööö, das schaff ich doch nie“ seufzte sie.
In diesem Moment erschien, wie aus dem Nichts ein kleines Männchen und fragte: „Na sitzt du in der Patsche“?  „Naja, irgenwie schon“ antwortete sie. „Ich soll das ganze Stroh zu Gold spinnen – als ob irgendjemand sowas könnte“.
„Ich könnt’s ja mal versuchen, was würdest du mir denn dafür geben“ fragte das Männchen verschmitzt und musste dann heftig niesen. „Hast du dich erkältet“ fragte Gertrude. „Nein, das ist mein Heuschnupfen, der ist ganz furchtbar in dieser Jahreszeit“. „Da hab ich was, das hilft wirklich gut“ antwortete Gertrude. Sie gab dem Männchen den restlichen Kramselblütentee. Der schmeckte dem Männchen sehr gut und half auch, es musste nicht mehr niesen. „Als Dank für den Tee werde ich dir das ganze Stroh zu Gold spinnen“ sagte das Männchen. Und schwupp machte es sich an die Arbeit und spann das Stroh zu Gold: „Schnurr, schnurr, schnurr, dreimal an der Schnur gezogen und aus Stroh wird Gold“ sang das Männchen vor sich hin und spann das ganze Stroh zu Gold. Das dauerte natürlich seine Zeit, schließlich war ja der ganze Raum voller Stroh. Der Gesang und das leise Sirren des Spinnrads machte Gertrude müde und sie schlief ein.
Als sie am nächsten Morgen an die kleine Maus gekuschelt aufwachte, war das Männchen verschwunden, der Tee ausgetrunken und alles Stroh zu Gold gesponnen.
Als der König hereinkam, war er total verblüfft und sagte: „Unglaublich, du hast tatsächlich das ganze Stroh zu Gold gesponnen und dabei dachte ich gestern noch: „Sie will Stroh zu Gold spinnen – als ob irgendjemand so was könnte“.
Gertrude wollte gerade sagen, wie es wirklich war, da platzte der erste Minister herein und wollte den König in einer dringenden Regierungsangelegenheit sprechen. Mal wieder musste der König weg und diesmal musste er wirklich regieren. Noch im gehen fragte er: „Machst du das heute Nacht nochmal, ich lass dir auch wieder leckeren Kramselblütentee bringen?“ Dabei lächelte er so freundlich, dass Gertrude gar nicht anders konnte als zu nicken.
Am Abend passierte genau das gleiche wie am Tag davor, der königliche Diener mit würdiger Haltung brachte den Tee und verschloß die Tür. Und Gertrude saß wieder verzweifelt in einem mit Stroh gefüllten Raum, neben ihr auf dem Stuhl saß die kleine Maus und beide wussten nicht, wie sie all das Stroh zu Gold spinnen sollten. Da erschien wieder das Männchen und sagte: „Gibst du mir bitte wieder etwas von dem Tee, dann spinne ich dir wieder all das Stoh zu Gold“. Gertrude war einverstanden und überglücklich. Am nächsten Morgen war wieder all das Stroh zu Gold gesponnen.
Der König war außer sich vor Freude „Das ist ja großartig, wenn du das heute abend noch einmal machen könntest, dann kann ich endlich alle Schulden des Königreiches bezahlen.“ Der König war also gar nicht wirklich geizig sondern er musste sparsam sein, damit er die Schulden des Königreiches bezahlen konnte. Dann versprach er noch: „Wenn morgen wieder alles Stroh zu Gold gesponnen ist, dann werde ich dich heiraten.“
Gertrude stahlte nur so vor Glück, sie war sich sicher, auch in dieser Nacht wird das Männchen wieder kommen, den Tee trinken und all das Stroh zu Gold spinnen und sie würde Ihren König heiraten. Aber es sollte doch ein bißchen anders kommen.
Am Abend war der König vor lauter Verliebtheit so aufgeregt, dass er ganz vergaß Gertrude den Kramselblütentee bringen zu lassen. Als also an diesem Abend die Tür mit eine lauten „Klack“ ins Schloß fiel, wusste Gertrude gar nicht, was sie tun sollte, wenn das Männchen kommen würde. Sie schluchzte wie ein Schloßhund und die kleine Maus neben ihr auf dem Hocker tat das gleiche. In dem Moment erschien das Männchen auch und fragte: „Und wie sieht es aus, soll ich heute wieder alles Stroh zu Gold spinnen? Bekomme ich wieder den leckeren Kramselblütentee von dir?
Gertrude konnte gar nicht aufhören zu weinen und musste dem kleinen Männchen sagen, dass Sie heute gar keinen Kramselblütentee hatte und nie Königin werden würde, wenn nicht all das Stroh morgen zu Gold gesponnen sein würde.
„Tja, was machen wir denn dann“, fragte dass Männchen „kannst du mir denn irgendwas anderes für meine Arbeit anbieten?“ „Wenn ich als Königin ein Kind bekomme, dann kannst du es haben.“ antwortete Gertrude.
„Was soll ich denn mit einem Kind“ fragte das Männchen „sehe ich vielleicht aus wie ein Kindergärtner? Versprich mir lieber alle Kramselblütenteevorräte des Königreichs, wenn du Königin geworden bist, dann will ich alles Stroh zu Gold spinnen.“ Gertrude war einverstanden und das Männchen spann wieder alles Stroh zu Gold.
Am nächsten Morgen war alles so, wie Gertrude es sich erträumt hatte, der König konnte alle Schulden des Königreiches bezahlen und fragte Gertrude ob sie ihn heiraten wollte. Natürlich wollte sie.
„Aber ich muss dir vorher noch etwas erzählen“ vertraute sie dem König an. Und dann erzählte sie ihm wie das war mit dem Stroh, dem Gold und dem Männchen. Und auch, dass sie dem Männchen alle Kramselblütenteevorräte des Königreiches versprochen hatte. „Aber du kannst ihm doch nicht alle Kramselblütenteevorräte des Königreiches versprechen“ sagte der König überrascht „so viele Leute leiden unter Heuschnupfen und ohne den Tee müssen sie die ganze Zeit niesen“. Daran hatte Gertrude nicht gedacht und was ziemlich betrübt. Da erschien das Männchen und fragte nach dem Kramselblütentee. Der König und Gertrude erklärten dem Männchen, dass sie ihm unmöglich alle Vorräte an Kramselblütentee geben könnten, da die Leute im Königreich ja auch welchen trinken wollten und sonst immer niesen müssten. Dafür hatte das Männchen Verständnis und sagte: „Also gut, ich verzichte auf den Tee, wenn ihr innerhalb von 3 Tagen meinen Namen erratet“.
Gertrude und der König waren einverstanden und sogleich wurden Boten in das ganze Königreich ausgesandt um alle Namen in ein Buch zu schreiben, die sie nur zu hören bekamen.
Und das waren sehr viele: Heinrich, Waldemar, Kunibert, Otto, Jason, Ludwig, Bruno, Hans, Max und und und.
Aber keiner der Namen war der Richtige selbst als der dritte Tag zu Ende ging, hatten sie den Namen noch nicht erraten. In dem Moment trat der königliche Diener mit der würdevollen Haltung ein um Kramselblütentee zu servieren.
Als er das Männchen sah, sagte er: „Oh, ich glaube wir sind einander noch gar nicht vorgestellt worden, also ich heiße Willibald und wie ist ihr werter Name?“
„Ich bin das Rumpelstilzen.“ sagte das kleine Männchen einfach so und lachte. „Endlich fragt mich mal jemand nach meinem Namen. Statt Boten durch das ganze Königreich zu schicken, hättet ihr mich ja auch gleich fragen können.“
Da mussten alle im Saal des Schlosses lachen. Das Männchen war zufrieden und der König und Gertrude waren es auch. Endlich konnte der König Gertrude nochmal einen richtigen Heiratsantrag machen. Und natürlich hat sie wieder „Ja“ gesagt.
„Wie heißt du eigentlich?“ fragte Sie den König. „Fridolin“ sagte der König – ja Fridolin, damals hießen Könige noch so. Ein schöner Name fand Gertrude.
Und so feierten Gertrude, Fridolin, das Rumpelstilzen, Willibald und alle Leute des Königreiches ein rauschendes Fest. Es gab Streuselkuchen und Kramselblütentee. Und für die kleine Maus einen großen Käse.
Und wenn Sie nicht gestorben sind, trinken sie noch heute Kramselblütentee.

Und die Moral von der Geschichte, an andere stets viel Fragen richte.






Dienstag, 25. August 2015

Die goldene Gans - Gans Gans anders


Es war einmal vor langer, langer Zeit, in einem weit entfernten Land. Das Land war so weit weg, dass wenn ihr einen ganzen Tag lang mit euren Eltern im Auto fahren würdet, immer noch nicht da wärt - so weit weg war das. Dort lebte ein Mann, der hatte eine Rasselbande von drei Jungs zu Hause. Der jüngste von ihnen wurde von allen immer nur Dummling genannt, dabei hieß er eigentlich Jack – ganz schön gemein, oder? Aber noch viel gemeiner war, dass seine Brüder und sogar die Eltern ihn immer hänselten und immer so taten als wäre er dumm, dabei war er sogar ziemlich schlau. Könnt ihr euch vorstellen, wie er sich gefühlt hat, wenn die anderen so gemein zu ihm waren? - Ja, da war er schon manchmal traurig. Aber meistens, meistens hatte er gute Laune.

Eines Tages sagte der Vater zu Jacks ältestem Bruder Martin: „Martin hier hast du eine Axt, bitte geh in den Wald, hau einen dicken Baum um und mach uns schönes Feuerholz. Unsere Vorräte gehen uns bald aus und du weißt ja, wie schnell die Mama kalte Füße bekommt, wenn der Kamin nicht brennt. – Apropos Mama, hier hast du noch eine Limo und einen Donut…“ – nein halt, das gab‘s damals ja noch gar nicht, also nochmal – „… hier hast du einen Eierkuchen und etwas Wein, das soll ich dir von der Mama mitgeben. Holz hacken macht hungrig und durstig, sagt sie.“
Und da hatte die Mama Recht – Holzhacken macht wirklich hungrig und durstig – das kann ich euch sagen.

Fröhlich vor sich hin pfeifend schlenderte Martin in den Wald um einen Baum zu fällen und Feuerholz zu besorgen, bei dem Gedanken an den leckeren Eierkuchen lief ihm schon das Wasser im Mund zusammen. Plötzlich stand, wie aus dem Boden gestampft ein kleines Männchen vor ihm, kaum einen Meter groß und sagte: „Guten Morgen Martin, gehst du Feuerholz besorgen?“  Etwas verdutzt stammelte Martin „öööö Ja, damit die Mama keine kalten Füße bekommt“. Das Männchen nickte verständnisvoll, es hatte auch eine Mama, die schnell kalte Füße bekam.  „Du hast nicht zufällig was leckeres zu Essen dabei, was du mit mir teilen könntest, ich habe ja sooo einen Hunger?“ fragte es. Aber Martin dachte gar nicht daran auch nur ein winziges Häppchen von dem Eierkuchen abzugeben, dann hätte er ja weniger bekommen. Dabei wäre wirklich genug Eierkuchen da gewesen und das Männchen sah tatsächlich ganz schön hungrig aus. Martin sagte nur knapp: „Nö dir geb ich nichts ab, ich hab mich schon so drauf gefreut alles allein zu essen“. Das Männchen schaute so traurig, dass man fast hätte weinen müssen, wenn man es ansah und dann – wusch – war es verschwunden, als hätte es sich in Luft aufgelöst. Martin ließ sich davon nicht irritieren sondern machte sich daran einen Baum für das Feuerholz umzuhauen. Aber kaum, dass er mit der Axt ausholte setzte sich eine gaaanz dicke Spinne auf seine Nase. Er erschrak so fürchterlich, dass er hilferufend nach Hause rannte und irgendwas von einem achtbeinigen Riesendrachen erzählte, der ihn fressen wollte, dabei war es doch nur eine dicke Spinne gewesen, die hatte übrigens das kleine Männchen geschickt.
Na ein bisschen verstehen kann ich Martin schon, wer mag es schon wenn sich eine ganz dicke Spinne auf seine Nase setzt…Mögt ihr das?

Auf jeden Fall hatte die Mama jetzt richtig kalte Füße bekommen und das Feuerholz war inzwischen komplett verbraucht. Es half also nichts und der Vater sagte zu Jacks anderem Bruder Willi: „Willi, geh du in den Wald hau einen Baum um und mach Feuerholz daraus“. „Aber der achtbeinige Riesendrache Vater, was wenn der noch im Wald ist?“ Aber der Vater kannte kein Pardon, wenn die Mama kalte Füße hatte, dann hätten auch 10 achtbeinige Riesendrachen im Wald hausen können, es musste Feuerholz her. So ging dann auch Willi in den Wald. Etwas mulmig war ihm zwar schon aber er freute sich auch auf den Eierkuchen und den Wein, den ihm die Mama mitgegeben hatte.
Genauso plötzlich, wie es vor seinem Bruder Martin gestanden hatte, stand das kleine Männchen jetzt auch vor Willi. Den Duft des Eierkuchens durch die Nase ziehend, fragte es Willi: „Guten Tag Willi, sag mal, rieche ich da etwa Eierkuchen und sehe ich da eine Flasche Wein? Ob du wohl einem armen, hungrigen und durstigen Männchen etwas davon abgeben könntest?“ Dabei setzte das Männchen den traurigsten Blick auf, den ihr euch nur vorstellen könnt. - Und ich hätte wirklich gedacht Willi wird ihm gleich etwas abgeben. Aber nein auch Willi wollte nichts abgeben, er wollte alles ganz allein für sich, wie gemein.  Was dann passierte könnt ihr euch sicherlich schon denken. Genau, auch Willi lernte die dicke Spinne kennen und reagierte genauso wie sein Bruder Martin und dachte allen Ernstes, er hätte einen achtbeinigen Riesendrachen gesehen.

Die Mama hatte aber immer noch kalte Füße und so wurde jetzt auch Jack in den Wald geschickt um Feuerholz zu besorgen. Allerdings bekam er nur Aschekuchen und saures Bier mit auf den Weg. Das ist so als hättet Ihr zum Mittag nur altes, aufgeweichtes Knäckebrot und lauwarmes Leitungswasser, nicht grade ein Festessen oder? Und natürlich tauchte auch jetzt wieder das kleine Männchen auf und fragte Jack: „Hallo Jack, bist du unterwegs um Feuerholz zu schlagen?“ Jack nickte lächelnd und war froh dem Männchen und nicht einem achtbeinigen Drachen zu begegnen. „Du hast nicht zufällig eine Kleinigkeit zu Essen und zum Trinken für mich“ frage das Männchen weiter „Ich bin am verhungern“. Das war natürlich übertrieben aber großen Hunger hatte das Männchen schon, soviel war sicher, denn in diesem Moment knurrte wie zur Bestätigung sein Magen so laut, das man hätte meinen können ein Bär würde brummen. Jack tat das Männchen leid, darum sagte er auch gleich: „Ich hab nichts Besonderes nur ein bisschen Aschebrot und saures Bier, aber davon will ich dir gern abgeben“ Das Männchen bedankte sich und die beiden teilten die bescheidene Mahlzeit. Aber in netter Gesellschaft schmeckt die einfachste Mahlzeit ganz toll.
Nachdem sie aufgegessen hatten, zeigte das Männchen Jack einen Baum und sagte: „Wenn du diesem Baum umhaust, wirst du zwischen den Wurzeln ein kleines Dankeschön finden, dafür dass du deine Mahlzeit mit mir geteilt hast.“ Und – wusch - war das Männchen verschwunden – mal wieder. Naja, das plötzliche Verschwinden war wohl so eine schlechte Angewohnheit des Männchens, auch kleine Männchen sind eben nicht ohne Fehler. Jack konnte sich nicht mal mehr verabschieden. Aber er machte sich an die Arbeit und schlug den Baum um, seltsamerweise fiel der so um, dass gleich die Wurzeln mit aus Boden gerissen wurden. Zwischen den Wurzeln glänzte etwas golden. Als Jack genauer hinsah, war er doch etwas überrascht. Dieses goldene Etwas war eine Gans, eine goldene Gans – unglaublich. Aber Jack war nicht lange überrascht, das war nicht seine Art. Weil es schon langsam dunkel wurde, entschied er in einem Wirtshaus in der Nähe des Waldes zu übernachten.
Als Jack das Wirtshaus betrat, waren der Wirt und seine beiden Töchter vom Gold der Gans fasziniert, sie hatten förmlich Dollarzeichen in den Augen oder damals wohl eher Talerzeichen. Auf jeden Fall waren sie neidisch auf Jack, sie wollten auch was von dem Gold der Gans. Darum warteten sie bis Jack und seine Gans schliefen. Als sie hörten wie die Gans schnarchte waren sie sich sicher und schlichen sich ganz, ganz leise an Jack und die goldene Gans heran. „Nur ein paar kleine Federn ausreißen“ dachten sie sich, dann wären sie reich. Aber in dem Moment, als sie die Gans berührten, klebten sie an ihr fest als hätte jemand die Gans mit Alleskleber bestrichen. Sie zogen und zerrten und riefen – aber sie kamen nicht von der Gans los. Von dem Tumult wurde Jack natürlich wach und er bog sich vor Lachen als er sah, dass der Wirt und seine zwei Töchter an der Gans festklebten. Er sagte nur: „Das kommt davon, wenn man so gierig ist“, schnappte sich seine goldene Gans und ging hinaus auf die Straße. Die Leute, die sie sahen standen erst mit offenen Mündern da, dann lachten sie herzhaft. Sie hatten noch nie eine Goldene Gans gesehen und Menschen die an ihr festklebten erst recht nicht. Der Wirt rief seinem Freund dem Bäcker zu: „He Franz zieh mal an meinem Arm, vielleicht kannst du mich ja losbekommen“ Aber statt seinen Freund loszubekommen klebte der Bäcker plötzlich an seinem Freund dem Wirt fest und so erging es auch dem Lehrer, dem Schumacher, der Frau Bürgermeisterin und noch einigen anderen. Das war vielleicht eine lustige Parade von Leuten die hinter Jack mit seiner goldenen Gans herliefen.

Als sie auf dem Marktplatz ankamen, stand da der Herold des Königs. Das war so eine Art Nachrichtensprecher, der den Leuten in der Stadt immer die wichtigsten Neuigkeiten aus dem Schloss und vom Königshof erzählte. Das tat er immer sehr feierlich. Er verkündete gerade: „Höret, höret der König lässt mitteilen, wem es gelingt seiner durchlauchtigste Tochter, der Prinzessin Fiona, ein Lachen zu entlocken, demjenigen solle sie als Gemahlin angetraut werden“ oder mit anderen Worten, wer die Prinzessin zum Lachen bring, darf sie heiraten.
Als Jack das hörte, dachte er bei sich: „Na da geh ich da doch gleich mal vorbei, wenn die Prinzessin sieht, wie all die Leute an einer goldenen Gans kleben, dann muss sie einfach lachen. Und genau so war es auch, als Prinzessin Fiona sah, wie Jack und all die anderen anmarschiert kamen, sozusagen im Gänsemarsch, konnte sie gar nicht anders als so lange zu lachen, bis ihr sogar der Bauch weh tat. Dann rannte sie zu ihrem Vater, dem König und sagte: „Papa den will ich heiraten“. Der König erwiderte entsetzt „Kind, du kannst doch keinen einfachen Mann heiraten, der ist doch gar kein Prinz, nicht einmal Graf ist der“. „Papa du hast es versprochen“ entgegnete die Prinzessin.
Der König tuschelte kurz mit seinem ersten Minister und sagte dann laut, so dass auch Jack es hören konnte: „Gut junger Mann, du kannst meine Tochter heiraten, unter einer Bedingung, wenn du jemanden findest, der in einer einzigen Nacht einen Weinkeller leer trinkt“. Das ist ungefähr als würde jemand euer Kinderzimmer voller Limonadenflaschen stellen, bis unter die Zimmerdecke, so voll, dass ihr es nicht mal mehr betreten könntet und euch dann sagen: „Du musst alle Flaschen bis morgen austrinken.“
Jetzt denkt ihr vielleicht, das kann doch keiner schaffen. Aber Jack dachte sich: „Das kleine Männchen aus dem Wald kann mir bestimmt helfen“. Also erklärte sich Jack einverstanden und machte sich auf den Weg in den Wald. Prinzessin Fiona sah ihm noch lange verliebt lächelnd hinterher, die fand den Jack nämlich richtig klasse.
Im Wald angekommen stand, ganz plötzlich das kleine Männchen vor Jack, wie gerufen. Und Jack erzählte ihm von der Aufgabe, die ihm der König aufgegeben hatte. „Nichts leichter als das,“ sagte das Männchen, „ich habe schon seit Wochen nichts mehr getrunken, nimm mich mit und ich trinke den ganzen Keller leer“.
Als der König das kleine Männchen sah, musste er laut lachen. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass ein so kleines Männchen auch nur 3 große Becher Wein trinken könnte und erst recht keinen ganzen Keller voll Wein. Daher staunte der König nicht schlecht als er am nächsten Morgen zum Weinkeller kam und der ganze Wein ausgetrunken war. Das kleine Männchen war, wie ihr euch sicher schon denken könnt mal wieder verschwunden.
Das wollte der König nicht auf sich sitzen lassen und sagte zu Jack: „Also gut junger Mann, du darfst meine Tochter heiraten, unter einer zweiten Bedingung, wenn du jemand findest, der einen ganzen Berg Brot an nur einem Tag essen kann“. Das war natürlich ganz schön gemein vom König, denn eigentlich hatte Jack ja schon die erste Aufgabe erfüllt und von einer zweiten Aufgabe hatte der König vorher gar nichts gesagt. Aber weil Jack sehr gutmütig war sagte er: „Also gut“. Und machte sich auf das Männchen zu suchen. Er fand es wie vorher im Wald und klagte ihm sein Leid und fragte es ob es ihm helfen könnte. „Der ist aber echt gemein, dein künftiger Schwiegervater, na klar helfe ich dir. Ich liebe Brot und ich bin hungrig wie ein Rudel Wölfe“. Als der König Jack diesmal wieder mit dem kleinen Männchen ankommen sah, lachte er nicht mehr. Stattdessen wurde ihm ganz komisch, denn er ahnte schon was jetzt kommen würde.  Und tatsächlich wie er vermutet hatte, es war nicht mal eine Stunde vergangen und das Männchen hatten den ganzen Brotberg weggeputzt und fragt nach einem Nachtisch. Und weil Prinzessin Fiona gern mit anderen teilte, gab sie dem Männchen die Hälfte von ihrem Joghurt ab. Den aß das Männchen in Windeseile und – wusch – schon wieder war es verschwunden.
Der König traute seinen Augen nicht aber er wollte auf keinen Fall, dass seine Tochter einen einfachen Mann wie Jack heiratete also stellte er noch eine dritte und letzte Bedingung: „Bring mir ein Schiff, mit dem man auf dem Land und dem Wasser reisen kann“ sagte er. Jack erwiderte sehr zuversichtlich „Das werde ich tun, Herr König“ denn die Erfahrungen mit dem kleinen Männchen hatten ihm Mut gemacht.
Wieder machte sich Jack auf den Weg in den Wald zum kleinen Männchen und wieder sah Prinzessin Fiona ihm verliebt nach. Kaum im Wald angekommen traf Jack das Männchen und es fragte ihn: „Na was will der König diesmal? Soll ich vielleicht einen Spaghetti Topf so groß wie einen Gartenteich leer essen?“  „Nein, er will ein Schiff mit dem man übers Meer aber auch über Land reisen kann“. „Na das ist ja nur gar nicht schwer sagte das Männchen. Ich habe da zufällig ein Zeppelin“. Was ein Zeppelin ist, wollt ihr wissen? Ein Zeppelin ist ein Luftschiff, damit kann man über das Meer und auch über das Land reisen, denn man fliegt damit. Ihr könnt ja mal eure Eltern fragen, wie das genau funktioniert.
Jedenfalls flogen Jack und das Männchen damit direkt zum Schloss. Dem König blieb die Spucke weg und er konnte nicht anders als Jack und Fiona die Hochzeit zu erlauben.
Es gab ein großartiges Fest und auch das kleine Männchen war eingeladen, nur von Wein und Brot hatte es genug, es hielt sich lieber an den Kuchen, den es reichlich gab.
Und alle Gäste durften mit dem Zeppelin über das Königreich fliegen.
Und wenn sie nicht gestorben sind fliegen Sie noch heute über das Königreich und essen Kuchen.
Und die Moral hört ihr jetzt sowieso – mit andern teilen, das macht froh.









Donnerstag, 9. Juli 2015

Rotkäppchen entschärft




Es war einmal vor langer langer…also wirklich langer Zeit…das war so lange her, dass eure Oma und euer Opa noch gar nicht geboren waren – so lange war das her. In dieser Zeit trugen manche Männer Anzüge aus Blech, die nannte man dann Ritter…ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie die beim Laufen gequietscht haben. In dieser Zeit konnten Tiere noch sprechen und auch sonst geschah allerlei Merkwürdiges.

In dieser Zeit lebte ein kleines Mädchen, alle nannten es Rotkäppchen, vielleicht denkt ihr  jetzt, das ist aber ein komischer Name - stimmt. Eigentlich hieß Rotkäppchen auch Hanna, aber weil seine Oma es so sehr lieb hatte, hat die Oma dem Rotkäppchen einmal eine schöne Rote Kappe geschenkt – eine Kappe, das war damals so etwas ähnliches, was heute ein Base Kap ist. Na jedenfalls fand Hanna… diese Kappe so was von toll, dass sie sie immer aufhatte und darum wurde Hanna auch von allen immer nur Rotkäppchen genannt.

Eines Tages sagte Rotkäppchens Mama zu ihr: „Rotkäppchen sei doch so lieb und bring den Korb hier bitte zur Oma Elfriede“ In dem Korb war ein großer Kuchen, eine Flasche Wein und die Fernsehzeitung – ach ne halt, die gab’s damals ja noch gar nicht… aber ein paar andere Sachen die Omas eben sonst noch so brauchen.

Rotkäppchen freute sich total, denn es hatte die Oma echt lieb. Wenn Rotkäppchen an Oma Elfriede dachte, dann stieg ihr gleich der Duft von Zimt in die Nase, denn immer wenn Rotkäppchen die Oma besuchte, backte die super leckere Zimtplätzchen.

Darum antwortete Rotkäppchen auch gleich: „Suuupiiie, da mach ich mich sofort auf den Weg“ und Schwupp war es schon fast zur Tür raus, als die Mama es gerade noch so am Rockzipfel zu fassen bekam und fragte: „Und worauf willst du achten?“ , „Ja Mama nicht vom Weg abkommen, nicht verlaufen, nicht trödeln – aber Mama ich geh den Weg doch nicht zu ersten Mal“ antwortete Rotkäppchen. „Na gut dann lauf schon und grüß die Oma von mir“

Tja, damals gab’s noch keine Handys darum war es wichtig, das die Mama das Rotkäppchen noch schnell an alles Wichtige erinnerte und die Grüße für die Oma mit gab.

"Jaaa" rief Rotkäppchen und schon sauste es über die bunte Blumenwiese vor dem Haus als hätte es Räder unter den Füßen. Es duftete nach Gras und Frühling, Bienen summten durch die Luft und es war schon richtig warm.

So dauerte es auch gar nicht lang, da erreichte Rotkäppchen schon den Rand des Waldes, in dem die Oma Elfriede wohnte und tatsächlich hielt es sich daran und blieb auf dem Weg. Angst hatte Rotkäppchen keine, obwohl es in dem Wald gefährliche Tiere gab – Bären, Wölfe und sogar Eichhörnchen – ach halt, Eichhörnchen sind ja gar nicht gefährlich. Jedenfalls war Rotkäppchen ziemlich mutig.

Plötzlich, auf einer Lichtung stand ein großer grauer Wolf vor Rotkäppchen. Der Duft vom Kuchen in Rotkäppchens Korb hatte ihn angelockt. Die Pfoten schon nach dem Kuchen ausstreckend sagte er: „Mmmhhh…der duftet aber fein, für wen ist der denn?“ … Pfoten weg, der ist nicht für dich, der ist für Oma Elfriede antwortet Rotkäppchen energisch und schlug dem Wolf dabei leicht auf die ausgestreckten Pfoten.

„Aaaauuuhh…du bist aber gemein, ich bin am Verhungern und du willst mir gar nichts abgeben?“ heulte der Wolf auf.

„Aber der ist doch für die Oma“

„Na gut…ich will mal nicht so sein“ sagte der Wolf  „ich will dir sogar verraten, wo du für die Oma einen schönen Blumenstrauß pflücken kannst … da drüben hinter dem Farn auf der Wiese. Kannst du die sehen?

Rotkäppchen konnte die Wiese sehen, nur irgendwie klangen die Worte des Wolfs hinterlistig. Aber weil es sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte, was am Blumenpflücken so gefährlich sein sollte, bedankte es sich höflich und eilte zur Wiese um wie sie sie sagte, für Oma Elfriede den schönsten Blumenstrauß der Welt zu pflücken.

Während sie den schönsten Blumenstrauß der Welt pflückte, machte sich der große, graue und im Übrigen auch sehr, sehr hungrige Wolf auf zur Oma Elfriede. Als er am Haus der Oma ankam roch es verführerisch nach Zimt. Der Wolf konnte sie durch das Fenster sehen, wie sie am Ofen stand und Zimtplätzchen backte.

Vom Hunger schwach und vom Duft ganz benommen, wurde dem Wolf schwindelig, so dass er durch Wäsche von Oma Elfriede taumelte, die sie gerade frisch auf die Leine gehangen hatte. Als er sich wieder von der Leine befreit hatte, hatte er, ohne es zu merken, Omas Nachthemd an und ihre Schlafhaube auf…das sah vielleicht lustig aus. Die Spatzen, die auf dem Dach saßen, bogen sich vor Lachen. Aber davon bekam der Wolf nichts mit, denn er hatte einen riesigen Topf voll Grießpudding entdeckt, den Oma Elfriede zum Abkühlen auf die Fensterbank gestellt hatte. So hungrig wie er war stürzte er sich darauf und fraß den ganzen Topf leer. Danach wurde er so müde, dass er unter dem Fenster ganz fest einschlief.

Zur gleichen Zeit machte sich Rotkäppchen mit ihrem Korb voll Wein, Kuchen, den Sachen, die Omas eben sonst noch so brauchen und dem wohl schönsten Blumenstrauß der Welt auf den Weg zum Haus ihrer Oma. Kurz bevor es dort ankam traf es den Jäger Parzival. „Zur Oma Elfriede gehst du? -  Darf ich dich begleiten“ fragte er, denn Parzival wusste ganz genau, das die Oma Elfriede immer sooooo leckere Zimtplätzchen backt und vielleicht….

„Na klar kannst du mitkommen Parzival“ antwortete das Rotkäppchen „ich weiß doch wie sehr du Omas Zimtplätzchen liebst. Parzival wurde rot, denn Rotkäppchen hatte ihn ertappt. Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen, sie waren am Haus von Rotkäppchens Oma angekommen und dort unter dem Fenster lag der Wolf und er hatte das Nachthemd der Großmutter an und auch ihre Schlafhaube auf, das sah zum Schießen aus.

„Na der ist ja dreist“ sagte Rotkäppchen entrüstet „als ob ich einen Wolf für die Oma halten würde, nur weil er ihre Sachen anhat. Wolf bleibt Wolf und wer das nicht erkennt, muss schon Tomaten auf den Augen haben. Ich bin zwar klein aber nicht dumm.

Plötzlich kam Parzival und Rotkäppchen fast gleichzeitig ein furchtbarer Verdacht, der Wolf hatte bestimmt die Oma gefressen…in wildem Eifer legte Parzival das Gewehr an und wollte den Wolf erschießen.

In dem Augenblick hörte Rotkäppchen Oma Elfriede beim Backen ein lustiges Liedchen trällern. Trollooooolllooolllloo…es konnte dem verdutzen Parzival gerade noch das Gewehr hochreißen. „Booom“ – was für ein Knall, die Spatzen flogen entsetzt vom Hausdach auf und schimpften, die Großmutter kam aus dem Haus gerannt und rief ganz aufgeregt  „Was ist hier den los, warum macht ihr so einen Radau?“

Der Wolf, gerade unsanft aus seinen Träumen gerissen, blinzelte verschlafen. Als er das Gewehr sah, riss er die Vorderpfoten hoch und stammelte: „Aaaaber ich hab den Grießpudding doch nur gefressen, weil ich so unglaublich hungrig war“

Die Großmutter musste herzhaft lachen, als sie den Wolf, den sie jetzt erst entdeckte, in ihrem Nachthemd und ihrer Schlafhaube sah, wie er da so saß und die Vorderpfoten in die Luft streckte.

Rotkäppchen und Parzival stimmten mit in ihr Lachen ein und jetzt musste auch der Wolf lachen, der die Vorderpfoten langsam wieder sinken ließ.

„Und wir dachten, du hättest die Oma gefressen“ sagte Rotkäppchen.

„Die Oma – gefressen – ich?“ fragte der Wolf ganz entgeistert. „Aber ich bin doch Vegetarier“.

Daraufhin lachten alle noch mehr, jetzt sogar die Spatzen, die es sich mittlerweile wieder auf dem Dach gemütlich gemacht hatten.

Als sich alle wieder beruhigt hatten, lud Oma Elfriede sie ein, auf der Bank vor dem Haus Platz zu nehmen. Dann gab es lecker Zimtplätzchen mit Kakao, nur der Wolf hatte nicht wirklich Hunger, er war noch zu satt vom Grießpudding, der im Übrigen wirklich lecker war, wie er Oma Elfriede versicherte.

Rotkäppchen übergab der Oma den Korb mit Kuchen, Wein und den Sachen die Omas eben sonst noch so brauchen. Außerdem gab es der Oma den Blumenstrauß mit den Worten „der ist von mir und vom Wolf, der hat mir nämlich gesagt, wo ich so schöne Blumen finden kann“

„Der ist aber schön „ bedankte sich die Oma, „das muss der wohl schönste Blumenstrauß der Welt sein“

Und wenn sie nicht gestorben sind essen sie immer noch Zimtplätzchen und trinken Kakao.

Und die Moral von der Geschicht – trau Vorurteilen besser nicht.