Es war einmal vor langer langer…also wirklich langer Zeit…das war so lange her, dass eure Oma und euer Opa noch gar nicht geboren waren – so lange war das her. In dieser Zeit trugen manche Männer Anzüge aus Blech, die nannte man dann Ritter…ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie die beim Laufen gequietscht haben. In dieser Zeit konnten Tiere noch sprechen und auch sonst geschah allerlei Merkwürdiges.
In dieser
Zeit lebte ein kleines Mädchen, alle nannten es Rotkäppchen, vielleicht denkt
ihr jetzt, das ist aber ein komischer
Name - stimmt. Eigentlich hieß Rotkäppchen auch Hanna, aber weil seine Oma es
so sehr lieb hatte, hat die Oma dem Rotkäppchen einmal eine schöne Rote Kappe
geschenkt – eine Kappe, das war damals so etwas ähnliches, was heute ein Base
Kap ist. Na jedenfalls fand Hanna… diese Kappe so was von toll, dass sie sie
immer aufhatte und darum wurde Hanna auch von allen immer nur Rotkäppchen
genannt.
Eines Tages
sagte Rotkäppchens Mama zu ihr: „Rotkäppchen sei doch so lieb und bring den
Korb hier bitte zur Oma Elfriede“ In dem Korb war ein großer Kuchen, eine Flasche
Wein und die Fernsehzeitung – ach ne halt, die gab’s damals ja noch gar nicht…
aber ein paar andere Sachen die Omas eben sonst noch so brauchen.
Rotkäppchen
freute sich total, denn es hatte die Oma echt lieb. Wenn Rotkäppchen an Oma Elfriede
dachte, dann stieg ihr gleich der Duft von Zimt in die Nase, denn immer wenn
Rotkäppchen die Oma besuchte, backte die super leckere Zimtplätzchen.
Darum
antwortete Rotkäppchen auch gleich: „Suuupiiie, da mach ich mich sofort auf den
Weg“ und Schwupp war es schon fast zur Tür raus, als die Mama es gerade noch so
am Rockzipfel zu fassen bekam und fragte: „Und worauf willst du achten?“ , „Ja
Mama nicht vom Weg abkommen, nicht verlaufen, nicht trödeln – aber Mama ich geh
den Weg doch nicht zu ersten Mal“ antwortete Rotkäppchen. „Na gut dann lauf
schon und grüß die Oma von mir“
Tja, damals
gab’s noch keine Handys darum war es wichtig, das die Mama das Rotkäppchen noch
schnell an alles Wichtige erinnerte und die Grüße für die Oma mit gab.
"Jaaa" rief
Rotkäppchen und schon sauste es über die bunte Blumenwiese vor dem Haus als
hätte es Räder unter den Füßen. Es duftete nach Gras und Frühling, Bienen
summten durch die Luft und es war schon richtig warm.
So dauerte es
auch gar nicht lang, da erreichte Rotkäppchen schon den Rand des Waldes, in dem
die Oma Elfriede wohnte und tatsächlich hielt es sich daran und blieb auf dem
Weg. Angst hatte Rotkäppchen keine, obwohl es in dem Wald gefährliche Tiere gab
– Bären, Wölfe und sogar Eichhörnchen – ach halt, Eichhörnchen sind ja gar
nicht gefährlich. Jedenfalls war Rotkäppchen ziemlich mutig.
Plötzlich, auf
einer Lichtung stand ein großer grauer Wolf vor Rotkäppchen. Der Duft vom
Kuchen in Rotkäppchens Korb hatte ihn angelockt. Die Pfoten schon nach dem
Kuchen ausstreckend sagte er: „Mmmhhh…der duftet aber fein, für wen ist der
denn?“ … Pfoten weg, der ist nicht für dich, der ist für Oma Elfriede antwortet
Rotkäppchen energisch und schlug dem Wolf dabei leicht auf die ausgestreckten
Pfoten.
„Aaaauuuhh…du
bist aber gemein, ich bin am Verhungern und du willst mir gar nichts abgeben?“
heulte der Wolf auf.
„Aber der ist
doch für die Oma“
„Na gut…ich
will mal nicht so sein“ sagte der Wolf
„ich will dir sogar verraten, wo du für die Oma einen schönen
Blumenstrauß pflücken kannst … da drüben hinter dem Farn auf der Wiese. Kannst
du die sehen?
Rotkäppchen
konnte die Wiese sehen, nur irgendwie klangen die Worte des Wolfs hinterlistig.
Aber weil es sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte, was am
Blumenpflücken so gefährlich sein sollte, bedankte es sich höflich und eilte
zur Wiese um wie sie sie sagte, für Oma Elfriede den schönsten Blumenstrauß der
Welt zu pflücken.
Während sie
den schönsten Blumenstrauß der Welt pflückte, machte sich der große, graue und
im Übrigen auch sehr, sehr hungrige Wolf auf zur Oma Elfriede. Als er am Haus
der Oma ankam roch es verführerisch nach Zimt. Der Wolf konnte sie durch das
Fenster sehen, wie sie am Ofen stand und Zimtplätzchen backte.
Vom Hunger
schwach und vom Duft ganz benommen, wurde dem Wolf schwindelig, so dass
er durch Wäsche von Oma Elfriede taumelte, die sie gerade frisch auf die Leine
gehangen hatte. Als er sich wieder von der Leine befreit hatte, hatte er, ohne
es zu merken, Omas Nachthemd an und ihre Schlafhaube auf…das sah vielleicht
lustig aus. Die Spatzen, die auf dem Dach saßen, bogen sich vor Lachen. Aber
davon bekam der Wolf nichts mit, denn er hatte einen riesigen Topf voll Grießpudding
entdeckt, den Oma Elfriede zum Abkühlen auf die Fensterbank gestellt hatte. So
hungrig wie er war stürzte er sich darauf und fraß den ganzen Topf leer. Danach
wurde er so müde, dass er unter dem Fenster ganz fest einschlief.
Zur gleichen
Zeit machte sich Rotkäppchen mit ihrem Korb voll Wein, Kuchen, den Sachen, die
Omas eben sonst noch so brauchen und dem wohl schönsten Blumenstrauß der Welt
auf den Weg zum Haus ihrer Oma. Kurz bevor es dort ankam traf es den Jäger
Parzival. „Zur Oma Elfriede gehst du? - Darf ich dich begleiten“ fragte er, denn
Parzival wusste ganz genau, das die Oma Elfriede immer sooooo leckere
Zimtplätzchen backt und vielleicht….
„Na klar
kannst du mitkommen Parzival“ antwortete das Rotkäppchen „ich weiß doch wie
sehr du Omas Zimtplätzchen liebst. Parzival wurde rot, denn Rotkäppchen hatte
ihn ertappt. Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen, sie waren am Haus
von Rotkäppchens Oma angekommen und dort unter dem Fenster lag der Wolf und er
hatte das Nachthemd der Großmutter an und auch ihre Schlafhaube auf, das sah
zum Schießen aus.
„Na der ist
ja dreist“ sagte Rotkäppchen entrüstet „als ob ich einen Wolf für die Oma
halten würde, nur weil er ihre Sachen anhat. Wolf bleibt Wolf und wer das nicht
erkennt, muss schon Tomaten auf den Augen haben. Ich bin zwar klein aber nicht
dumm.
Plötzlich kam
Parzival und Rotkäppchen fast gleichzeitig ein furchtbarer Verdacht, der Wolf
hatte bestimmt die Oma gefressen…in wildem Eifer legte Parzival das Gewehr an
und wollte den Wolf erschießen.
In dem
Augenblick hörte Rotkäppchen Oma Elfriede beim Backen ein lustiges Liedchen
trällern. Trollooooolllooolllloo…es konnte dem verdutzen Parzival gerade noch
das Gewehr hochreißen. „Booom“ – was für ein Knall, die Spatzen flogen entsetzt
vom Hausdach auf und schimpften, die Großmutter kam aus dem Haus gerannt und
rief ganz aufgeregt „Was ist hier den los,
warum macht ihr so einen Radau?“
Der Wolf,
gerade unsanft aus seinen Träumen gerissen, blinzelte verschlafen. Als er das
Gewehr sah, riss er die Vorderpfoten hoch und stammelte: „Aaaaber ich hab den
Grießpudding doch nur gefressen, weil ich so unglaublich hungrig war“
Die
Großmutter musste herzhaft lachen, als sie den Wolf, den sie jetzt erst
entdeckte, in ihrem Nachthemd und ihrer Schlafhaube sah, wie er da so saß und
die Vorderpfoten in die Luft streckte.
Rotkäppchen
und Parzival stimmten mit in ihr Lachen ein und jetzt musste auch der Wolf
lachen, der die Vorderpfoten langsam wieder sinken ließ.
„Und wir
dachten, du hättest die Oma gefressen“ sagte Rotkäppchen.
„Die Oma –
gefressen – ich?“ fragte der Wolf ganz entgeistert. „Aber ich bin doch
Vegetarier“.
Daraufhin
lachten alle noch mehr, jetzt sogar die Spatzen, die es sich mittlerweile wieder
auf dem Dach gemütlich gemacht hatten.
Als sich alle
wieder beruhigt hatten, lud Oma Elfriede sie ein, auf der Bank vor dem Haus
Platz zu nehmen. Dann gab es lecker Zimtplätzchen mit Kakao, nur der Wolf hatte
nicht wirklich Hunger, er war noch zu satt vom Grießpudding, der im Übrigen
wirklich lecker war, wie er Oma Elfriede versicherte.
Rotkäppchen
übergab der Oma den Korb mit Kuchen, Wein und den Sachen die Omas eben sonst
noch so brauchen. Außerdem gab es der Oma den Blumenstrauß mit den
Worten „der ist von mir und vom Wolf, der hat mir nämlich gesagt, wo ich so
schöne Blumen finden kann“
„Der ist aber
schön „ bedankte sich die Oma, „das muss der wohl schönste Blumenstrauß der
Welt sein“
Und wenn sie
nicht gestorben sind essen sie immer noch Zimtplätzchen und trinken Kakao.
Und die Moral
von der Geschicht – trau Vorurteilen besser nicht.

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